Kirchen

St. Nikolai - Kirche

Neben der wuchtigen Propstei-Kirche bildet die Nikolai-Kirche ein zweites Zentrum liturgischen Lebens in der katholischen Kirchengemeinde.

Erbaut wurde diese Kirche in den Jahren 1772 - 1782 als Klosterkirche der Franziskaner-Minoriten, die hier in Verbindung mit einer Klosterneugründung 1655 eine Lateinschule eröffnet hatten. Diese dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche mit einer Gesamtlänge von 48 und einer Breite von 16 m bildet den nordwestlichen Abschluss der gesamten Klosteranlage, wenige Meter westlich von der Stelle, an der schon seit dem 13. Jahrhundert eine Kapelle der Briloner Kaufleute gleichem Namens gestanden hatte, die, baufällig geworden, im Zuge des Neubaus abgerissen wurde.

Allgemein gilt die Kirche gilt als bedeutendes Zeugnis spätbarocker Kirchenbaukunst der Bettelorden. Deren Armutsideal entsprechend besteht das Gebäude architektonisch aus einem einfachen Saalbau mit schlichten Rundbogenfenstern und einem schlanken Dachreiter, im Inneren gewölbt und durch fünf Joche gegliedert.

Entsprechend der kunstvoll gefertigten Westfassade mit barockem Portal als Haupteingang ist auch der Chorbereich im vorderen Teil des Kircheninneren gestaltet Die beiden Seitenaltäre, vor allem aber der hoch aufragende Hauptaltar in seiner harmonischen Verbindung von Architektur, plastischem Schmuck und Malerei bilden Kulisse und Handlungsort für festliche Gottesdienste. Beachtenswert ist auch die übrige reiche Kirchenausstattung, die ebenfalls wie die Altäre (mit Ausnahme des zentralen Gemäldes) fast ausschließlich von Klosterbrüdern während der Erbauerzeit gefertigt wurde: das qualitätvolle Chorgestühl, die Kommunionbank, der Prospekt der Orgelbühne und die beiden im hinteren Teil der Kirche befindlichen reichgeschnitzten Beichtstühle nach dem Vorbild der vorderen Beichtstühle, die aus der Jesuitenkirche in Büren stammen.

Nach Aufhebung des Minoritenklosters im Zuge der Säkularisation (1803) und Nutzung des Gebäudes als Progymnasium (1821) bzw. als Gymnasium (1858) erhielt die Kirche einen eigenen Kirchenvorstand, bestehend aus Vertretern der Stadt, des Gymnasiums und der katholischen Kirchengemeinde, der 1894 neben anderen Restaurierungs- und Renovierungarbeiten 1894 auch die alten Fenster durch neue, in farbigem Glas gestaltete und mit Medaillons von Heiligen versehene Fenster ersetzen liess.

Im Zuge einer Kirchenrenovierung imJahre 1962 erhielt auch der Tabernakel als kunstvoll gestaltete Vorderseite ein mit Blattgold überzogenes geschmiedetes Kreuz mit den Evangelistensymbolen und dem "Lamm Gottes" im Zentrum.

Im Jahre 1968 übertrug die Stadt Brilon als Rechtsvertreterin des Gymnasiums Grundstück und Gebäude in das Eigentum der Propsteigemeinde, auf deren Veranlassung in den Jahren 1976 – 1979 eine grundlegende Renovierung und Restaurierung erfolgte. Gleichzeitig wurde der Chorraum gegenwärtigen liturgischen Vorstellungen entsprechend umgestaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

H. Hülsbusch

Lit. I. Reißland – F. Ackermann, Kunstlandschaft Hochsauerlan
Chr. Züllighoven , die Nikolaikirche, in: Mitteilungen des Vereins ehemaliger Periner. 9. Jg. Heft 3, Dez. 1938
D. Arens, Sauerland, in: DuMont Reiseführer, Köln, 1994